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Welche Bedeutung hat Bitcoin für unsere Wirtschaft?

Von Jörg Thomas 

Mitte März 2024 hat der Bitcoin erstmals ein neues Allzeithoch gegenüber dem Dollar mit über $ 70.000 pro Bitcoin erreicht. Während einige Ökonomen meinen, Bitcoin wäre nur ein zeitlich begrenzter Hype und werde auf Null zurückfallen, sind eingefleischte Bitcoiner der Meinung, dass Bitcoin das neue Geld, vielleicht sogar das „letzte Geld“ der Welt sein könnte. Was ist von beiden Meinungen zu halten?

Was ist Bitcoin?

Um Bitcoin zu verstehen, muss man wissen, dass es sich dabei eben nicht um ein physisches Gut oder eine Ware handelt, sondern um ein Stück kryptografischen Codes. Da dieser Code nur mit sehr viel Rechenaufwand und dementsprechend viel Energie gefunden werden kann, müssen die Miner einen hohen Preis bezahlen, um neue Bitcoin zu erschaffen. Darüber hinaus ist die maximale Anzahl der Bitcoin, die jemals erzeugt werden kann, auf knapp 21 Millionen Stück begrenzt. Zu allem Überfluss kommt dann auch noch hinzu, dass etwa alle 4 Jahre die Belohnung für das Bitcoin-Mining halbiert wird. Das bedeutet, obwohl man Bitcoin nicht anfassen kann, weil es nur ein Stück Computercode ist, ist es doch das knappeste Gut der Welt. Und noch eine weitere Eigenschaft macht Bitcoin besonders.

Anders als andere Güter kann die Anzahl von Bitcoin von jedem Teilnehmer am Bitcoin-Netzwerk eingesehen und überprüft werden. Niemand von uns kann überprüfen, wieviel Gold in den USA in Fort Knox oder anderen Banktresoren lagert. Man geht davon aus, dass es weltweit bis zu 100 mal mehr Goldzertifikate als physisches Gold gibt. Würden also alle Inhaber von Goldzertifikaten gleichzeitig die Auszahlung Ihrer Zertifikate in Gold verlangen, könnten die Herausgeber der Zertifikate die Nachfrage nicht befriedigen. Bei Bitcoin ist das nicht möglich. Außerdem müssen alle Bitcoin- Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk bestätigt werden. D.h. jeder Teilnehmer am Bitcoin-Netzwerk - und das sind weltweit Millionen Nutzer - besitzt eine Kopie der gesamten Blockchain (der Buchhaltung) mit allen Bitcoin-Transaktionen. Bitcoin wird also dezentral verwaltet. Dieses dezentrale Verfahren stellt nicht nur sicher, dass Bitcoin-Transaktionen absolut sicher sind, sondern auch, dass keine einzelne Partei, noch nicht einmal ein Staat an den Bitcoin-Regeln etwas ändern kann ohne die Zustimmung der Mehrheit der Netzwerkteilnehmer. Durch diese Sicherheit wird auch keine Bank mehr benötigt, wenn zwei Parteien ein Geschäft abschließen wollen. Die Bezahlung erfolgt direkt zwischen den beiden Geschäftspartnern und wird im Netzwerk bestätigt.

Was ist Bitcoin wert?

Dazu muss man verstehen, dass eine Sache immer nur soviel Wert ist, wie jemand dafür zu bezahlen bereit ist. Ein Verdurstender in der Wüste würde für eine Flasche Wasser Haus und Hof hergeben. Der Preis der Flasche Wasser ist dann extrem hoch. Ein Haus, das vor 20 Jahren noch 500.000 EUR Wert war, ist heute möglicherweise nur noch die Hälfte wert, weil ein Käufer vielleicht damit rechnen muss, die Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzen und das Haus dafür komplett umbauen zu müssen. Tatsächlich ist das Haus dann also nur noch 250.000 EUR wert, wenn sich niemand findet, der mehr bezahlt.

Ein Picasso ist nur deshalb mehrere Millionen wert, weil es Menschen gibt, die bereit sind, diesen Preis zu bezahlen. D.h. je mehr Menschen bereit sind, einen hohen Preis für ein Gut zu bezahlen, umso teurer oder wertvoller ist dieses Gut. Und anders als alle anderen Güter hat Bitcoin eben einige einzigartige Eigenschaften, die kein anderes Gut auf der Welt hat (Knappheit, Sicherheit, Überprüfbarkeit, Teilbarkeit, Dezentralität).

Übrigens gelten die hier gemachten Aussagen nur für Bitcoin und eben nicht für sogenannte Altcoins (alternative Coins). Alle anderen Coins außer Bitcoin werden von irgendwelchen Firmen ausgegeben, die deren Regeln jederzeit ändern können. Das ist z.B. bei Etherium passiert als die Mining-Methode von „proof of work“ auf „proof of stake“ umgestellt wurde. Auf eine detaillierte Beschreibung der Unterschiede soll hier verzichtet werden, da nur der Umstand von Bedeutung ist, dass eine Firma und ihr Eigentümer, quasi im Alleingang die Regeln ändern können. Da Bitcoin keinen Eigentümer hat, ist es Gemeingut und wird nur von den Nutzern und Netzwerkteilnehmern verwaltet, gehandelt und geschürft und zwar nach den Regeln, die von seinem Erfinder (aber eben nicht Eigentümer) Satoshi Nakamoto aufgestellt wurden.

Im Januar 2024 wurden von der SEC (Börsenaufsichtsbehörde) in den USA die ersten börsengehandelten Bitcoin Fonds (ETF) zugelassen. Spätestens jetzt ist klar, dass Bitcoin sich von einem ambitionierten Projekt einiger Nerds zu einem echten Anlage-Asset gewandelt hat. Damit kann man nahezu sicher davon ausgehen, dass die Diskussionen um ein mögliches Bitcoin-Verbot vom Tisch sind. Mit der Zulassung der Bitcoin-ETF's hat nun auch nicht nur das Geld einiger Privatanlager sondern auch institutionelles Geld aus Pensionsfonds oder Firmen und Banken Zugang zu Bitcoin. Wegen seiner besonderen Eigenschaften ist die Nachfrage im Moment riesig. Bitcoin ist nun eine Anlage-Klasse wie Edelmetalle, Aktien oder Immobilien. Es ist ein Wertspeicher den man nutzen kann, um Geld sicher und inflationsgeschützt zu verwahren und leicht zu transportieren.

Aber kann Bitcoin auch eine neue Währung werden?

Einige Bitcoin-Enthusiasten glauben, dass Bitcoin die Lösung aller Probleme ist, die sich aus unserem Fiat-Geldsystem ergeben. Unser jetziges Geld (Euro, Dollar, etc) entsteht, wenn eine Bank einen Kredit an eine Firma oder einen Privatmann vergibt. Anders als die meisten Menschen glauben, verleiht die Bank kein Geld, das vorher ein Sparer dort angelegt hat, sondern erschafft das Geld mit der Kreditvergabe neu. Außerdem kann sich der Staat durch die Vergabe von Staatsanleihen und dem Aufkaufen der Anleihen durch die Zentralbank selbst finanzieren. Ist die Regierung also der Meinung ein Sondervermögen von 200 Mrd. Euro für die Rüstungsindustrie ausgeben zu wollen, kann sie dieses Geld einfach von der Zentralbank erschaffen lassen.

Nun glauben viele, dass diese Geldschöpfung zu Inflation führen müsse. So einfach ist das allerdings nicht. Die Inflation wird gemessen, indem in bestimmten Abständen die Preise für bestimmte Waren (Warenkorb) verglichen werden. Die Preise dieser Waren können sich auf zwei Wegen erhöhen, erstens durch höhere Herstellungskosten und zweitens durch höhere Nachfrage im Verhältnis zur Produktivität. Wegen des Verlustes billiger Energie durch die grüne Energiepolitik (Gasimportstopp, Abschaltung der Atomkraftwerke, etc.) verteuert sich die Herstellung und der Transport aller Produkte. Dieser Effekt wird zwar im Warenkorb gemessen, gilt aber unter vielen Ökonomen nicht als typische Inflation, weil sie nur durch externe Preisschocks hervorgerufen wird.

Anders die Verteuerung durch erhöhte Nachfrage, bei zunächst konstanter Produktivität. Dieser Effekt entsteht insbesondere wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber großflächig höhere Löhne und Gehälter aushandeln. Im Ergebnis haben die Arbeitnehmer mehr Geld zur Verfügung und fragen daher mehr Waren nach. Die Arbeitgeber müssen diese höheren Löhne bezahlen, haben also höhere Kosten aber auch einen höheren Absatz und erhöhen daher die Preise, was ggf. wieder zu höheren Lohnforderungen führen kann.

In der Regel läuft die Wirtschaft in einer Zeit steigender Löhne und Preise sehr gut, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Nachfrage nach Konsumgütern ist hoch, die erhöhte Nachfrage führt zu Investitionen durch die Firmen und sowohl Arbeitnehmer als auch Firmen verdienen gutes Geld. Um zu vermeiden, dass die Wirtschaft heiß läuft und in eine Lohn-Preis-Spirale gerät, kann die Zentralbank in diesen Fällen die Zinsen für Kredite erhöhen. Das erhöht dann sowohl die Kosten für Firmenkredite als auch für Konsumentenkredite. Durch diese erhöhten Kosten wird die Nachfrage gedämpft, was zur Abkühlung der Wirtschaft führen soll. Die Anschaffung eines Neuwagens wird dann z.B. noch ein paar Jahre verschoben, bis die Zinsen wieder niedriger sind.

Die Geldschöpfung durch die Kreditvergabe führt aber eben auch zur Ausweitung der Geldmenge am Markt und viele Menschen glauben, dass die Ausweitung der Geldmenge zu Inflation führt. Das stimmt so aber nicht. Nur der Teil des Geldes, der über Löhne und Gehälter oder Konsumkredite unmittelbar dem Verbraucher zur Verfügung steht, kann zu erhöhter Nachfrage und damit auch zur Inflation beitragen. Die Staatsverschuldung, also der Teil des Geldes, dass der Staat für eigene Projekte verwendet, hat darauf zunächst keinen Einfluss. 

Schön zu sehen ist das, wenn man die Zahlen von Deutschland, Japan und der Türkei vergleicht. Deutschland hat eine Staatsverschuldung von ca. 60% des Bruttoinlandsproduktes (BIP), Japan hat eine Staatsverschuldung von ca. 250% des BIP. Wenn die Ausweitung der Geldmenge zur Inflation führen würde, müsste Japan bereits in einer Hyperinflation stecken. Aber die Inflationsrate in beiden Ländern liegt derzeit bei ca. 3%. Und die Zinsen in Japan liegen derzeit immer noch bei fast 0%. Andererseits liegt die Inflationsrate in der Türkei zwischen 50% und 70%, die Staatsverschuldung ist aber nur etwa halb so hoch wie in Deutschland. Der Glaube, dass die Kreditvergabe (also die Verschuldung und damit die Ausweitung der Geldmenge) etwas Schlechtes und dass Sparen etwas Gutes sei, ist zwar weit verbreitet aber trotzdem falsch. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Wenn Privathaushalte verstärkt sparen, also das verdiente Geld nicht mehr ausgeben, reduziert sich dadurch die Nachfage nach Produkten was den Unternehmen signalisiert, weniger zu produzieren. Innovationen und Investitionen werden dadurch gerade verhindert. Nur die Konsumneigung und die Ausgabe des verdienten Geldes (ggf. sogar Kreditaufnahme) bewirken hohe Nachfage und führen damit zu Investitionen der Unternehmen.

Von einigen Bitcoinern wird gern behauptet, dass Volkswirtschaften mit an Gold gebundenen Währungen so erfolgreich waren und dass jedes Fiat-Geldsystem in der Vergangenheit gescheitert wäre. Tatsächlich versuchte Großbritannien 1925 den Goldstandard wieder einzuführen, scheiterte aber in der Weltwirtschaftskrise kläglich und musste den Goldstandard 1931 wieder aufgeben. Heute gibt es nicht eine einzige erfolgreiche Volkswirtschaft auf der Welt, die noch einen Goldstandard benutzt.

Allerdings gibt es einen Punkt, der von Ökonomen gern unterschlagen wird. Die Ausweitung der Geldmenge führt tatsächlich dazu, dass Anlagegüter wie Immobilien, Gold und Aktien im Preis steigen. Diese Preissteigerung wird zwar nicht mit dem Warenkorb für die Inflationsrate gemessen, ist aber unstrittig vorhanden. Und niedrige Zinsen, also der Preis für einen Kredit, führen insbesondere bei Immobilien - weil diese nahezu ausschließlich mit Krediten finanziert werden - zu einer extremen Preissteigerung.

Außerdem machen einige Bitcoiner den sogenannten Cantillon-Effekt für die Ungleichverteilung des Geldes in unserer Gesellschaft verantwortlich. Der Cantillon-Effekt beschreibt die Tatsche, dass sich von der Zentralbank geschaffenes Geld nicht gleichmäßig in der Gesellschaft verteilt. Tatsächlich profitieren diejenigen, die sich näher am Schöpfungsprozess befinden, stärker als diejenigen, die weiter davon entfernt sind, also zuerst Banken, danach Unternehmen und ganz zum Schluss der Arbeitnehmer.

Somit werden Reiche, die sich Aktien, Golddepots und Immobilien leisten können, reicher und Arme, zumindest relativ gesehen, ärmer. In den 60er und 70er Jahren konnte ein Mann als Arbeitnehmer eine Familie ernähren, auch wenn die Frau nicht gearbeitet, sondern sich um die Erziehung der Kinder gekümmert hat. Und oftmals war sogar die Finanzierung eines Reihenhauses mit nur einem Gehalt noch möglich. Heute sind durchschnittliche Familien mit zwei Arbeitnehmern kaum noch in der Lage, eine Wohnung in einer Großstadt zu bezahlen, geschweige denn ein Reihenhaus am Stadtrand.

Nun glauben einige Bitcoiner, dass der Bitcoin, der ja nicht über 21 Mill. Stück vermehrbar ist, die Lösung für dieses Problem sei. Tatsächlich wäre mit einer Bitcoinwährung eine Ausweitung der Geldmenge dann nicht mehr möglich. Aber wie entsteht denn Wirtschaftswachstum in einer Bitcoinwelt? Wenn Bäcker Lutze feststellt, dass es eine starke Nachfage nach seinen Brötchen und Kuchen gibt, wird er überlegen, ob er seine Backstube vergrößern und eventuell eine zweite Filiale eröffnen kann. Dazu beantragt er einen Kredit bei einer Bank. Gleichzeitig will aber auch der Staatsbeamte Mäusebräus einen neuen BMW kaufen und braucht dafür einen Kredit. Außerdem hat der VW-Konzern beschlossen, die Produktion von sparsamen Benzinern wieder auszuweiten weil die Elektroautos sich nicht verkaufen. Auch dafür wird ein Kredit benötigt.

Alle drei Kreditnehmer konkurrieren jetzt um einen Bitcoin-Kredit. Da aber nur eine begrenzte Anzahl von Bitcoin bei der Bank zur Verfügung stehen, wird jetzt ein Bieterverfahren um die höchsten Zinsen eröffnet. Zweifellos kann der VW-Konzern die höchsten Zinsen bieten. Ein Konzern hat weit mehr Möglichkeiten, seine Kosten zu reduzieren, Personal zu entlassen und die Effizienz der Produktion zu erhöhen als Bäcker Lutze. Der VW-Konzern bekommt als erster seinen Kredit. Aber auch der Staatsbeamte Mäusebräus (unkündbar und mit garantiertem Gehalt) ist aus Sicht der Bank ein besserer Schuldner als Bäcker Lutze. D.h. möglicherweise geht Bäcker Lutze bei der Kreditvergabe völlig leer aus.

Bei einer Kreditvergabe muss der Kreditnehmer kreditwürdig sein. Und wer ist kreditwürdig? Natürlich diejenigen die schon viel haben, was sie beispielsweise als Sicherhit hinterlegen können. Das heißt, bei einer Kreditvergabe in Bitcoin wären die Anforderungen an den Kreditnehmer noch viel höher, weil die Bank ja entscheiden muss, wem das begrenzte Gut Bitcoin zugeteilt wird. Die Kreditvergabe in Bitcoin wäre also der Cantillon- Effekt auf Steroiden, vorausgesetzt es gäbe überhaupt eine Nachfrage nach Krediten.

Damit setzt sich also nicht die beste Idee oder die effizienteste Firma durch, sondern derjenige der bereit ist, das höchste Zins-Gebot abzugeben und damit das höchste Risiko einzugehen. Ginge eine Firma an den horrenden Zinsforderungen dann pleite, würden die Sparer einen Teil ihrer Anlage verlieren. Die Bank könnte die Bitcoin ja nicht wiederbeschaffen. Dieses Risiko ließen sich die Sparer natürlich durch noch höhere Zinsforderungen bezahlen.

Aber angenommen Bäcker Lutze erhielte den Kredit, allerdings zu viel höheren Zinsen als gedacht. Dann müsste er die Preise seiner Brötchen in Satoshis (1 Bitcoin = 100.000.000 Satoshis) deutlich erhöhen, was die Kaufkraft des Gehalts seiner Kunden reduziert, immer vorausgesetzt, es gibt eine Nachfage nach seinen Produkten. Es könnte allerdings auch sein, dass die Nachfage stark zurückgeht, weil die Käufer dann auf die billigeren Supermarktbrötchen ausweichen, statt die viel teureren Bäckerbrötchen zu kaufen. Wenn die Nachfrage nach Bäckerbrötchen aber zurückgeht, müsste Bäcker Lutze den Preis seiner Brötchen senken. Dazu kommt, dass sich der Wert seiner Schulden, in Kaufkraft gemessen, ständig erhöht. Das würde dazu führen, dass er nicht nur aufhört zu verkaufen sondern insolvent wird.

Im Übrigen ist es fraglich, ob bei begrenztem Geld Zinszahlungen überhaupt möglich wären. Denn bei Fälligkeit der Zinsen, erhöht sich ebenfalls der Bedarf an Geld oder der Preis aller Güter müsste sinken. Gäbe es jedoch keine Zinsen mehr, stellte sich die Frage warum jemand sein Geld verleihen sollte, ohne eine Belohnung dafür zu erhalten.

Wenn ein Sparer für das Nichtausgeben von Geld durch die Kaufkraftsteigerung belohnt wird und zudem noch Zinsen erhält, wird der Sparanreiz weiter erhöht, was zu weiterer Kaufzurückhaltung und damit fallenden Preisen führen würde. Fallende Preise verhindern aber jede Art von Innovation und Investition. Denn ein Unternehmer, der heute Waren und Personal bezahlen muss aber nicht weiß, für welchen Preis er morgen seine Produkte verkaufen kann, weil die Preise schon wieder gefallen sind, kann unmöglich kalkulieren. 

Das bedeutet, dass ein Wirtschaftssystem, in dem grundsätzlich keinerlei neues Geld geschaffen werden kann, nicht funktionieren wird. Deshalb lässt sich weltweit nicht ein einziges Wirtschaftssystem finden, in dem es noch einen Goldstandard gibt. Es gibt auch keine Länder die bewußt eine deflationäre Währung anstreben. Somit ist Bitcoin als echte Währung ungeeignet.

Allerdings kann Bitcoin als Wertspeicher dienen der, wegen seiner besonderen Eigenschaften (Knappheit bei weltweiter Verfügbarkeit), das Potenzial hat, Gold und andere Anlagen deutlich zu überflügeln. Trotzdem ist Bitcoin kein Allheilmittel für alle Probleme des Kapitalismus. Denn wenn Bitcoin nicht als echte Währung in Frage kommt, wird sich der Umlauf von Bitcoin auf dasselbe Maß beschränken, das wir bei anderen Anlageklassen sehen können, und genau wie bei diesen wird auch Bitcoin von einigen wenigen reichen Menschen in größerer Stückzahl akkumuliert als von der Masse der Bevölkerung. Die Verteilung von Bitcoin wird genauso ungleich sein wie die aller anderen Anlageinstrumente.

Bitcoin als Indikator

Bitcoin könnte aber eine andere wichtige Funktion in der Gesellschaft übernehmen. Die Inflation im Bereich der Anlagegüter lässt sich nur relativ schwer messen. Der Preis von Immobilien ist nicht nur von der Verfügbarkeit von Geld, sondern eben auch von der Höhe der Zinsen, der Lage und Ausstattung der Immobilie abhängig. Das alles ist schwer zu vergleichen. Ähnliches gilt für den Aktienmarkt. Zwar gibt es da sehr schöne Indizes wie S&P500 oder DAX. Aber auch deren Kurse hängen nicht nur von der Geldausweitung, sondern auch von Spekulationsinteressen der Martteilnehmer, dem Geschäftsmodell der indizierten Firmen, 
Dividendenausschüttungen und der allgemeinen Konjunkturlage ab. Der Goldpreis könnte ein Indikator für die Geldmengenausweitung und die damit zusammenhängende Inflation der Anlagegüter sein, wenn sein Preis nicht durch die Ausgabe von Goldzertifikaten künstlich nach unten manipuliert würde.

Vorausgesetzt Bitcoin hätte irgendwann eine Marktkapitalisierung in der Größenordnung von Gold, dann wären die Schwankungen des Bitcoin-Preises nur noch bestimmt von einigen wenigen (im Verhältnis zur Marktkapitalisierung) Verkäufen und Käufen am Spot-Markt. D.h. der Kurs bliebe wahrscheinlich sogar stabiler als der von Gold, weil ja der Bitcoinpreis nicht wie der von Gold mit der Ausgabe von Zertifikaten manipuliert werden könnte. Jeder Teilnehmer am Bitcoin-Netzwerk könnte jederzeit überprüfen, ob der Emittent eines Zertifikates tatsächlich die Anzahl von Bitcoin besitzt, die er behauptet. Wird die Geldmenge ausgeweitet, ohne dass die Löhne und Gehälter im gleichen Maß mitsteigen, erhöhen sich die Preise aller Anlagegüter und somit auch der Preis des Bitcoin. Da der Bitcoinpreis, außer durch den Spothandel, nur durch die Geldmengenausweitung bestimmt wird, wäre er ein idealer, unbestechlicher und nicht manipulierbarer Indikator um die tatsächliche Inflation bei Anlagegütern zu messen. Er würde damit zu einem direkten Indikator für die Geldentwertung einer Währung werden.

Das wiederum könnte, richtig eingesetzt, zu einer Disziplinierung von Regierungen führen. Denn das Problem unserer modernen Gesellschaften ist nicht die Geldmengenausweitung an sich, sondern vielmehr korrupte Strukturen und die Unfähigkeit der Regierungen. Geldverschwendung für den Kauf von Impfstoffen, die anschließend vernichtet werden mussten oder für die Förderung irgendwelcher grüner Auslandsprojekte, bringt das Geld des Steuerzahlers unter die Leute und führt letztendlich zur Vergrößerung der Unterschiede zwischen den Reichen, die von der Verschwendung profitieren und der normalen, Steuern zahlenden Bevölkerung. 

Firmenkredite für echte Investitionen oder Kosumentenkredite sind also nicht das Problem. Diesen Krediten steht in der Regel echtes Wirtschaftswachstum gegenüber. Das Problem sind faktisch leistungslose Zahlungen. Niemand weiß, ob Pfizer überhaupt jemals die vertraglich vereinbarten Impfstoffe hergestellt hat. Die Pandemie war vorbei mit dem Beginn der militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine. Niemand weiß, wohin die Gelder fließen, die von unserer Regierung nach Kiew geschickt werden. Niemand weiß, wer von den Geldern bezahlt wird, die wir großzügig in der Welt verteilen, gleiches gilt für Subventionen. Subventionen sind ein Preis für das Versagen. Wäre eine Innovation rentabel, müsste sie nicht subventioniert werden. Aber all das sind Probleme politischer Natur, die nicht durch die Ökonomie und schon garnicht nur durch die Änderung bzw. Einführung einer deflationären Währung behoben werden können.

Zur Lösung dieser Probleme bedarf es einer verantwortungsvollen Regierung, die die Neuschaffung von Geld auf das Maß begrenzt, das durch Firmen- oder Privatkredite vorgegeben wird. Staatliche Kredite sind nur zur Instandsetzung und Verbesserung staatlich verwalteter Einrichtungen wie Infrastruktur, Schulen, Universitäten, Polizei, Armee u.ä zulässig. Staatliche Rettungspakete für Banken oder Konzerne (weil private Einrichtung) wären dann nicht mehr zulässig. Lediglich die Sicherung der Einlagen der Anleger würde der Staat dann noch übernehmen. In einem solchen Wirtschaftssystem würde die Geldmengenausweitung parallel mit der Produktivitätserhöhung verlaufen und das auf einem relativ niedrigen Niveau von 2-3% pro Jahr.

In einer solchen Gesellshaft könnte der Bitcoinpreis ein Vergleichsmaßstab für die Geldmengenausweitung im Verhältnis zur Produktivität und damit für die Arbeit der Regierung sein. Allerdings würde das bedeuten, dass dann auch der Bitcoinpreis langfristig nur noch eine Wertzuwachsrate von 2-3% pro Jahr aufweist. 

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Anmerkung von Peter Haisenko

Ich widerspreche dieser Ausführung nur in einer Hinsicht: Wachstum ist auch ohne Wachstum der Geldmenge möglich. Allerdings bedarf es dazu eines komplett neu aufgestellten Finanz- und Wirtschaftssystems. Das haben wir mit unserem Modell „Die Humane Marktwirtschaft“ vorgestellt. Dieses System kommt vollständig ohne Geldvermehrung und Inflation aus und sorgt so für eine nachhaltige Wirtschaft, die eben nicht mehr die unsinnigen Kapitalmengen erzeugen kann, die dann auch die Grundlage sind für Kriege. Machen Sie sich vertraut mit unserem System und staunen Sie, wie einfach es gehen könnte, Freiheit und Frieden in der Welt zu schaffen. Bestellen Sie Ihr Exemplar „Die Humane Marktwirtschaft“ direkt beim Verlag hier oder erwerben Sie es in Ihrem Buchhandel.

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